Die Wüsten der Erde

Einmal sass Michael Martin an einem Hang in der Wüste Sinai, allein mit seinem Kamel, als ihn ein leises Rauschen überraschte, ähnlich dem Brausen anrollender Wogen am Strand. Er blickte auf und sah, dass der Himmel über der Wüste dunkel war von Flamingos, von tausenden und abertausenden der grossen Vögel, die gen Norden zogen. Was ihn an das Geräusch der Brandung erinnerte, war ihr rhythmisch wiederkehrender Flügelschlag. Sekundenlang sass er reglos im Banne solcher Schönheit. Es war ein Moment, der unendlich schien, ein Augenblick vollkommener Harmonie zwischen ihm und der Natur. So hat er in der Wüste oftmals empfunden – ihre einsamen Weiten haben ihm die tiefsten spirituellen Erfahrungen seines Lebens beschert.
Leben mit der Natur: Auf der Südseeinsel Tanna

Wir Menschen sind sehnsüchtige Wesen und träumen – zumindest in unseren Breiten – gerne von einer paradiesischen Insel. Inseln stehen für Exotik und Ferne. Inseln sind über ihre reale Existenz hinaus ein Gebilde unserer Phantasie. Im virtuellen Bild einer Insel bündelt sich die positivste, vielleicht auch blauäugigste menschliche Vorstellungskraft. Wir alle neigen dazu, die Insel zum Ort der Glückseligkeit zu verklären– selbst wenn dies die sichtbare Realität auf den meisten meerumspülten Punkten auf unserem Planeten wahrscheinlich überhaupt nicht trifft.



