Editorial 89
Als ich im vergangenen Herbst auf meiner Reise durch Nordindien in Kolkata auf den Zug nach Mumbai wartete, spürte ich im Gewühl der riesigen Bahnhofhalle den Herzschlag Indiens besonders gut – von diesem Land, das einem beim Reisen kaum Verschnaufpausen gönnt und immer wieder aufs Neue herausfordert. Wer durch Indien reist, erlebt am gleichen Tag Himmel und Hölle. Es ist ein Land mit einer grossartigen alten Kultur, voller Schönheit, tiefer Spiritualität und Mystik und übt auf die meisten Besucher eine beinahe rätselhafte Faszination aus. Gleichzeitig sind aber die sozialen Probleme gewaltig, die Armut ist gross, und als Besucher wird man auf Schritt und Tritt damit konfrontiert. Für viele Reisende ist eine solche Konfrontation nur schwer zu verkraften: Sie wählen bei der nächsten Reise wohl wieder ein sanfteres Reiseziel.
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